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Geschichte

Ende des zweiten Weltkrieges

Das Deutsche Reich kurz vor Kriegsende - am westlichen Ufer der Elbe stehen bereits die Amerikaner. Die Rote Armee hat Berlin umzingelt und stößt immer weiter in Richtung Elbe vor, in der Zange der Militärmaschinen zehntausende zurückflutende Wehrmachtssoldaten von der Ostfront und unzählige Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Der Weg nach Westen ist versperrt, denn die Tangermünder Brücke ist seit Mitte April gesprengt. Hunderttausende geraten in Gefahr, denn auf den östlichen Flußwiesen stauen sich die Flüchtlingsmassen. Um die Flüchtlinge über die Elbe zu schleusen, wird die zerstörte Tangermünder Brücke wieder notdürftig hergerichtet. Durch die Brückentrümmer hindurch führt nur ein schmaler hölzerner Steg.

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Der General der Panzertruppen Walther Wenck, Oberbefehlshaber der 12. deutschen Armee, hatte den General der Panzertruppe Reichsfreiherr von Edelsheim beauftragt, mit den Amerikanern über eine Kapitulation zu verhandeln. Der Generalstabschef der 9. amerikanischen Armee erklärte sich bereit, alle deutschen Soldaten aufzunehmen. Wenck gab den Befehl, bis zum 7. Mai 1945 alle Verwundeten und unbewaffnete Soldaten überzusetzen und dann die Kampftruppen in Sicherheit zu bringen.

Schätzungsweise 100.000 deutsche Soldaten entgehen dadurch der sowjetischen Gefangenschaft.
Der Rest des Deutschen Reiches wird immer kleiner. Die Rote Armee kesselt die Flüchtenden bis auf wenige Kilometer ein. Die Dorfbewohner östlich der Elbe, so auch die Klietznicker, beobachten verzweifelte Versuche, den Fluß zu überqueren. Aus Stalltüren und Scheunentoren, leeren Benzinkanistern und Reifen werden Flöße gebaut, um über die Elbe zu gelangen. Viele Flöße kentern, weil sie überladen sind. Wie viele Menschen im kalten Frühjahrswasser des Stromes ertrinken, weiß niemand. Noch Tage nach dem Ende der Kämpfe werden an den Elbufern immer wieder Leichen angespült. Die Bevölkerung wird ebenfalls von der Panik erfaßt. Auch Klietznicker wollen den Fluß überqueren, obwohl die Amerikaner alle Zivilisten zurückschicken. Mancher kann trotzdem entkommen. Andere Familien aus dem Dorf werden ans Ostufer zurückgeschickt, wie Hunderte von Zivilisten in diesen Tagen. Am 7. Mai steht die Rote Armee an der Elbe. Am späten Nachmittag ziehen in Klietznick die Russen ein. Das Deutsche Reich löst sich auf. In der Niederung östlich der Elbe ist der Untergang der Wehrmacht zu sehen. Hier haben die fliehenden Soldaten in den letzten Tagen die Ausrüstung eines ganzen Heeres hinterlassen. Sämtliches Kriegsmaterial steht umher, schwere und leichte Panzer, Geschütze aller Kaliber, Nebelwerfer auf Selbstfahrlafette, Schreibstuben mit Ehrenzeichen und Eisernen Kreuzen, Gulaschkanonen (teils noch mit Mittagessen), geschlachtete Schweinehälften und vieles mehr. Der Russe rückt so schnell heran, daß die rückwärtigen Dienste alles im Stich lassen müssen. Auf der westlichen Elbseite kampieren in dieser Nacht viele deutsche Kriegsgefangene unter freiem Himmel. Die Hoffnung, das rettende Ufer erreicht zu haben, erweist sich für viele als trügerisch. Entgegen ihrer Zusage liefern die Amerikaner am Morgen des 8. Mai 1945 tausende deutsche Soldaten an die sowjetischen Verbündeten aus.

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